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Aktuelle Trends im Payment

Bekanntlich ist das Payment ein wichtiger Baustein in der Customer Journey, der über Erfolg und Misserfolg von Händler:innen entscheiden kann. Das Bezahlen im Online-Shop und im stationären Handel unterliegt wie der gesamte Handel einem Wandel. Gar nicht leicht, hier den Überblick zu behalten. Wir haben für euch mal die aktuellen Trends im Payment beleuchtet.

von Lisa Walgenbach, 23.05.2022
5 Min
Aktuelle Trends im Payment

Das Bezahlen im Online-Shop und an der Ladenkasse verändert sich aktuell deutlich. Dabei spielen auch die Erfahrungen der Kund:innen während der Pandemie eine wichtige Rolle. Neue Technologien, neue Verfahren und neue Player wirbeln die Payment-Landschaft gehörig durcheinander.

Kontaktlos wird zum Standard und Paypal marschiert

Regelmäßig veröffentlicht das EHI Retail Institute seine Payment-Studien. Auf die warten Händler:innen, Banken und Zahlungsanbieter gleichermaßen mit Spannung. Die aktuelle Ausgabe 2022 enttäuscht nicht. Zwei Dinge fallen darin besonders auf:

In der Online-Welt ist Paypal besonders enorm gewachsen. Bezogen auf den Umsatz wurden 28,2 Prozent der Käufe via Paypal bezahlt. Damit ist es dem Bezahldienst gelungen, zum Rechnungskauf aufzuschließen. Der liegt mit 28,3 Prozent nur noch knapp vorn, scheint also langsam seine jahrelange Dominanz einzubüßen.[1] Mit anderen Worten können es sich Händler:innen kaum erlauben, Paypal nicht anzubieten. Und leider setzt immer noch fast ein Drittel der Kundschaft auf das für den Handel risikoreichste Verfahren. Umso wichtiger bleibt es also, sich um das Thema Fraud-Prevention zu kümmern. Auf dem dritten Platz rangiert die Lastschrift (ebenfalls riskant), dann folgt mit 11,4 Prozent die Kreditkarte. Der Rest verteilt sich auf alle die anderen Arten, die es am Markt so gibt. 

Der Blick in die Kassenzone des stationären Handels zeigt, dass die Kundschaft dort immer weiter in Richtung Kartenzahlung tendiert. Die besitzt jetzt einen Umsatzanteil von 58,8 Prozent. Unter den Karten dominiert eindeutig die Girocard. Und das am liebsten kontaktlos – eine direkte Lehre aus der Pandemie. Die aktuelle Erhebung differenziert nicht zwischen Kartenzahlung und Nutzung des Smartphones, was damit zu tun hat, dass rein technisch hier bei der Transaktion kein Unterschied besteht. 

BNPL - nur Hype?

BNPL heiß diskutiert, aber noch in der Nische

Wer sich für die Fintech-Szene interessiert, hat in den vergangenen zwei Jahren vielleicht das eine oder andere Mal verwundert den Kopf geschüttelt. Investoren haben einen Millionenbetrag nach dem anderen in Start-ups investiert, die auf das Thema „Buy now, pay later“ (BNPL) setzen. Der absolute Platzhirsch in dem Segment ist das schwedische Unternehmen Klarna.

In seiner Urform ist BNPL eigentlich nichts anderes als der Rechnungs- oder Ratenkauf. Neu daran ist indes die größere Flexibilität für die Kund:innen, die individuellere Rückzahlungszeiträume wählen können. 

BNPL sorgt jedenfalls für eine Menge Schlagzeilen in den (Fach-) Medien. In den Zahlen des EHI spielen die Umsatzanteile jedenfalls noch keine nennenswerte Rolle. Hier muss jeder Händler für sich entscheiden, ob er auf dieses Pferd setzen will, um gegenüber der Kundschaft etwas mehr Convenience zu demonstrieren. 

Eine vertragliche Bindung an einen Anbieter ist nicht mehr unbedingt nötig. So bietet Klarna seinen Kund:innen inzwischen auch „Einmalkarten“ an. Die verhalten sich im Shop aus Sicht der Händler:innen wie eine reguläre Kreditkarte. Mit dem dahinterstehenden Ratenkauf (und dem Ausfallrisiko) haben sie nichts zu tun. 

Omnichannel-Payments werden kommen (müssen)

An den Türen der Stores von C&A werden die Kund:innen dazu aufgefordert, die „größte Filiale“ zu besuchen, also auch online zu kaufen. Multi- und Omni-Channel-Strategien spielen für die größeren Handelsunternehmen eine wichtige Rolle. Das muss und wird sich auch bei der Technik niederschlagen. Dazu gehört eine (bessere) Verzahnung beim Payment. Eine online bestellte Ware, die im Store zurückgegeben wird, sollte auf dem gleichen Weg erstattet werden, wie sie ursprünglich bezahlt wurde. Was sollen die Kund:innen auch mit einer Barauszahlung, wenn ursprünglich die Kreditkarte belastet wurde? 

Und klassische Online-Bezahlverfahren drängen zunehmen an den POS, wie es Paypal und Klarna bereits vormachen. Hier warten auf viele Händler:innen noch eine Reihe von Herausforderungen. 

Die haben auch mit der am POS eingesetzten Hardware zu tun. Viele alternative mobile Bezahlsysteme basieren auf einem QR-Code, der kassenseitig erzeugt werden muss, damit die Kund:innen und Kunden diesen scannen. Leider kann nicht jedes Terminal einfach per Software-Update nachgerüstet werden. Die Hardware in der Kassenzone veraltet also schneller.

Händler-App zur Kundenbindung

Ob sich der Trend auf breiter Front durchsetzen wird, muss sich erst noch zeigen. Aber es fällt schon auf, dass die großen Player der Handelswelt ihre eigenen Apps um direkte Zahlungsfunktionen erweitern. Um die Kund:innen von dieser mobilen Form des Bezahlens zu überzeugen, werden meist zusätzliche Benefits gewährt. Für die Händler:innen bietet sich damit der Vorteil, mehr über die Kund:innen zu erfahren, also Daten zu sammeln. Und ein zusätzlicher Nutzen in einer App stärkt außerdem die Retention Rate. Die App gerät nicht so schnell in Vergessenheit oder läuft Gefahr, vorzeitig gelöscht zu werden. 

Eine eigene App mit Bezahlfunktion kann auch die Eintrittskarte für automatisierte Stores sein, die ohne Kasse auskommen. 

Für die Kund:innen bietet sich der Vorteil, in der Kassenzone Zeit zu sparen. Nachteilig an der Strategie ist letztlich nur, dass die Verknüpfung mit bundesweiten Bonusprogrammen damit schwierig wird. 

EPI und Instant Payments – kommen vielleicht, oder nie

Die meisten Kund:innen und Kunden werden aus dem privaten Alltag inzwischen die SEPA-Sofortüberweisungen kennen. Binnen Sekunden landet der Überweisungsbetrag auf dem Konto der Empfänger:innen. Da liegt der Gedanke nahe, dieses Verfahren auch im Handel für das Bezahlen an der Kasse zu benutzen. Instant Payments von einem Konto zum anderen sind keine neue Entwicklung. Mit HIPPOS gab es bereits vor vier Jahren eine erste Initiative, um auf der technischen und konzeptionellen Basis der Sofortüberweisungen ein Payment-System für den stationären Handel zu entwickeln. 

Und mit der European Payment Initiative (EPI) war mit viel Getöse eine europäische Bankeninitiative gestartet, die kein geringeres Ziel hatte, als ein Bezahlverfahren zu entwickeln, die ein Gegengewicht zu Paypal und den Kreditkarten-Verfahren aus den USA bilden sollten.

Die Zukunft dieser beiden Ansätze steht aktuell in den Sternen. Instant Payments mögen kommen, oder auch nicht.

Es bewegt sich also viel beim Bezahlen am POS und Online-Shop. Gut, wenn Händler:innen da einen Partner an ihrer Seite haben, der ihnen zeigt, was sinnvoll ist. 

[1] https://www.ehi.org/presse/beliebtheit-von-paypal-waechst-rasant/

Lisa ist von Beginn an festes Mitglied von Paymenttools. In ihrer Rolle als Managerin Sales Strategy & Operations ist sie für den Mitaufbau des Vertriebs und das Partnermanagement zuständig.

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